Mister & Missis.Sippi


Mississippi Surfin’
2009/07/30, 2:23
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Jetzt sind wir im Süden, aber richtig. In St.Francisville, kurz vor Baton Rouge und anderthalb Stunden nördlich von New Orleans. Ich sitze auf der Veranda unseres Bed&Breakfast, des ältesten Hauses am Ort (late 1700s), und es hat dankenswerterweise eine Hollywoodschaukel, die aber wohl erst später dazukam. Es fühlt sich an wie in der Biosauna, hinter mir schuftet eine Klimaanlage vor sich hin, neben mir die Zikaden, und die einzige Abkühlung ist der „Wind“, den ich beim Schaukeln mache. Ob bei dieser Hitze irgendwelche Inspiration über mich kommt? Volker meint, Transpiration statt Inspiration sei angesagt.

Ich versuchs mal mit beidem. (mehr…)



Public Baden in Vicksburg
2009/07/30, 1:54
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In Vicksburg gibt es ein öffentliches Schwimmbad. Das ist schön. Marc, Markus und Ich hatten einen Nachmittag frei. Da unser „Rentner-Daddel-Casino-Hotel“ keinen Pool besaß, entschlossen wir uns auf die städtischen Angebote zurückzugreifen. Übrigens ist ein Schwimmbad in der Art recht selten, stehen doch hinter fast jedem Haus einbetonierte Plastikwannen herum. Das Ding öffnete jedenfalls 13:00 und wir waren sehr pünktlich, faktisch die ersten am Strand. Mit einem heiterem Kopfsprung hüpfte ich alsgleich in das leichtgechlorte, kühle Nass – tauchte die paar Meter zum nächsten Rand durch und freute mich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon drei Regeln der ellenlangen Liste der Pool-Rules gebrochen. Erstens: bin ich mit körperbetonter, schwarzer Sportunterwäsche (die auch als Badehose taugt) ins Wasser gehüpft – vorgeschrieben sind Soccerstyled Pants, also knielange Badehosen. Zweitens: bin ich gesprungen – böse, böse geht gar nicht. Drittens: tauchen ist so gefährlich, dass es auch nicht erlaubt ist. Die zugegebener Maßen höchst attraktive Baywatchgehilfin rannte gleich auf mich zu – Marc und Markus wurden in ihrem Ansinnen mir kopfüber zu folgen gestoppt. Das American-Beauty verlangte von uns erst mal einen Schwimmtest, sonst dürften wir nicht ins halstiefe Wasser. Hatte sie etwas verpasst – ich war gerade eine Bahn vor ihren Augen geschwommen – und die Sandokanmäßig und dazu auch noch ein bissel angeberisch (sie sah ja wirklich gut aus). Jedenfalls haben wir uns der Sache gefügt und schwammen in drei verschiedenen Schwimmstilen (Brust, Rücken und Kraul) ein Wasserballett im knietiefen Becken, während wir rhythmisch Wasserfontänen ausstoßend, eine erblühende Seerose nachstellten. Sie war mäßig überzeugt und ließ uns gewähren, heißt wir konnten das Schwimmerabteil benutzen. Währenddessen tobte im Nichtschwimmerpart ein harter Verdrängungskampf um die wenigen freien Zentimeter verbliebenen offenen Wassers. In tieferen Gewässer planschte neben uns dreien nur noch eine weitere Rettungsschwimmerin herum, die wahrscheinlich abgestellt war uns zu retten, für den Fall, das wir nur so getan hätten als könnten wir schwimmen, um später wie Bleienten abzusaufen.

poolrules

Noch ein paar Daten. An diesem 25 Meter-Becken waren 3 weibliche Rettungseinheiten und 3 männliche Äquivalente auf Hochsitzen stationiert. Dazu kam der Personenschutz im tieferen Bereich, für durchgeknallte, deutsche Nichtschwimmer, sowie eine Ersatz- und Austauschgruppe derselben Stärke im rückwärtigen Flankenbereich. Nach 40 Minuten wurden wir aus unserer meditativen Planscherei mit schrillen Trillergepfeife gerissen. Schlagartig verliessen alle Badegäste das Becken. Unser American-Beauty fühlte sich veranlasst uns klarzumachen, das es jetzt eine Zwangspause gibt, die jede Stunde anberaumt wird. Ich erkundigte mich, ob es jetzt für uns der richtige Zeitpunkt für Arschbomben und so wäre, da wir nun in dem noch leereren Schwimmerbecken keinen auf den Kopf knallen würden.

Sie verneinte vehement – den Arschbomben gehen auch gar nicht – und dann noch atheistische. Wie auch immer – es war nett und wir haben dann die Liste der Rules abgearbeitet. Heimlich Alkohol aus Mineralwasserflaschen getrunken, neben dem Zaun geraucht, Schimpfwörter skandiert, der Rettungsschwimmerin von unten in die Shorts gelunscht, mit Sonnenbrille toter Deutscher gespielt, ins Wasser gepupst, unfrittiertes Obst gegessen und die Augen unter Wasser aufgemacht.

Übrigens ein Großteil der Amerikaner entlang des Mississippi können nicht oder nur mangelhaft schwimmen, daher diese gewaltige Angst vorm Fluß. Schade, denen entgeht was.

(Lutze)