Mister & Missis.Sippi

Auf den Spuren Mark Twains mit dem Floß durch die Südstaaten

Von Houston nach New Orleans

9. 00 Uhr morgens, 16.00 Uhr in Deutschland. Gerade sind wir auf der Interstate 10 East über die Grenze zwischen Textas und Louisiana gefahren. Draußen sind schon 30 Grad, im Autoradio läuft Country und zum Frühstück gab es Kalorien für eine Woche im Waffle House – wir sind in Amerika! Und Amerika verwirrt mich offenbar: Heute morgen habe ich mich statt mit Sonnencreme mit Matthiasens Duschbad eingeschmiert und geflucht, weil der Mist nicht einziehen wollte.

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(Sabine, Matthias, ein Mann, den wir nicht kennen, und Lutz)

Der Weg hierher war lang und schmerzhaft: Ich hab mir in Frankfurt prophylaktisch den Fuß verknackst, damit ich das hinter mir habe und nicht wieder wie bei „Nicht der Süden“ bei den Dreharbeiten vor der Kamera rumhumpeln oder auf Krücken hüpfen muss. Es wäre wahrscheinlich auch schwer, am Mississippi eine Leninstatue für eine Wunderheilung zu finden. Aber jetzt ist alles wieder gut, die erste Nacht in einem amerikanischen Hotelbett mit der Holy Bible auf dem Nachttisch hat auch geholfen.

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Die berüchtigten Einreiseprozeduren waren halb so schlimm und haben lumpige 2 Stunden gedauert. Wir musste nirgends ankreuzen, ob wir Harpunen dabei haben, wie man ab und zu hört. Ob man Früchte mitbringt musste man aber ankreuzen und weil die Stewardess uns sagte, wir sollten am besten überall „Nein“ ankreuzen, habe wir das gemacht. Auch Jadwiga, die einen Apfel im Rucksack hatte. Aber die Amis sind auf Zack – ein kleiner Hund mit einem Pulli mit der Aufschrift „Protecting Americas Agriculture“ fand die Übeltäterin; sie musste den Apfel unter Aufsicht eines Officers wegwerfen.
Kaum drei weitere Stunden später hatten wir dann auch die vorbestellten Mietwagen und es ging los, raus aus dem riesigen Parkdeck, hinaus auf den Highway und Mann! – Das ist schon was! Nicht „schön“ im klassischen Sinne aber … fett. Ja, fett, hier passt das Wort. Die Straße selbst, die Trucks, die SUVs, die Pickups, die Harleys, die Männer auf den Harleys – fett. Vorbei an endlosen Vorstädten, eingezäunten Retortensiedlung, riesigen amerikanischen Fahnen, noch riesigeren Einkaufszentren, an unzähligen Fast Food Restaurants und genauso vielen Kirchen jeder Form, Farbe ud Größe (aber alle baptistisch).

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Während einer Pause, ein paar Meilen vor unserem Motel, lernen wir Mark kennen, einen freundlichen Seemann aus Houston, auf dem Weg nachhause von einer mehrwöchigen Tour. Er kommt einfach auf uns zu und fragt uns wo wir herkommen und was wir vor haben und sagt „Oh my god, you are crazy!“, genau wie alle, denen wir das bisher hier erzählt haben. Ersd gibt uns ein paar hilfreiche Reisetips, fragt uns, was wir von Obama halten und wir so: „Öhm, yes … he´s okay … ähm, we think better then Bush …“ Wir sind etwas vorischtig, wir sind hier im Bush-Land, der Flughafen, auf dem wir gelandet sind, ist nach Dabbeljus Papa benannt … „Bush is an idiot!“, wird Marc etwas deutlicher. Aber Obama ginge auch nicht, der sei doch ein Weichei und bei der Scheiße, die die da in Nordkorea bauten, bräuchte man jemanden, der da hinginge und BUMM! – Marc versetzt der heißen Nachtluft einen Tiefschlag. Wir versuchen Obama zu verteidigen, indem wir auf die Sache mit der Fliege hinweisen (bin gerade zu faul, einen Link rauszusuchen), aber Marc lacht nur und winkt ab.
Man kommt hier leichter mit den Leuten ins Gespräch als auf einer WG-Party in Deutschland beim Abhängen am Nudelsalatbuffet. Diesbezüglich stellen sich mir zwei Fragen: Wäre das auch so, wenn wir Spanier oder Türken wären und keine kalkweißen Deutschen? Und werden wir es 7 Wochen mit so freundlichen, kommunikativen Menschen aushalten?

(VS)

PS: Habe mir geschworen, dass das erste was ich mir hier kaufen werde ein Hut sein wird. Ist erledigt. Als nächstes stehen Beef Jerkeys auf der Einkaufsliste.

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9 Gedanken zu „Von Houston nach New Orleans

  1. Tobias Grimm sagte am :

    Gott wie ich diese „OMG! Obama hat gefurzt“ Meldungen hasse, aber für euch such doch liebend gerne einen Link dazu raus ;D

  2. monstachief sagte am :

    Übrigens…Wer sich wundern mag, warum die Leute auf den einem Bild alle mit dicken Fleecepullovern rumstehen – dem sei gesagt, daß draussen 36°C sind und in den Restaurants ca.-75°C. Und da wir uns alle nicht erkälten wollen, ziehen wir uns dick an , bevor wir Räume betreten. Absurd, oder?

  3. Astrocaveman sagte am :

    Schönen gruß an euch übersee,
    Jedesmal wenn jemand den ich kenne in dei USA fliegt wird ihm aufgetragen mind. ein dutzend Packungen Beef Jerkey mitzunehemn…
    …oh der Vorat wird knapp haben nur noch 2 Packungen daheim^^
    …ja es sieht aus wie Hundefutter und man kommt sich beim essen auch so vor, ich liebe es aber trotzdem.^^
    Alles liebe und viel Spaß noch auf der Reise
    euer A. aus dem Süden Bayerns

  4. schön, dass ihr es vollzählig ins land geschafft habt. mal sehen, ob ihr auch vollzählig wieder heraus kommt. wenn ihr durch memphis kommt, legt doch mal eine gedenkminute für jeff buckley ein. ansonsten mast- und schotbruch!

  5. Chris sagte am :

    Sorry,will ja nich meckern,aber das Bild würd ich echt gern sehen.Endschuldigt für den Apfel!!
    In diesem Land scheint so Einiges absurd zu sein!?

  6. Kaschei sagte am :

    Vorsicht bei Obama! Alle südlichen Mississippi Staaten haben republikanisch gewählt! Allerdings repräsentiert das Mehrheitswahlrecht natürlich auf keinen Fall die tatsächliche Zustimmung, bzw. Ablehnung! Viel Spaß noch!

    Grüße aus Leipzsch!

  7. Beef Jerkeys waren für mich auch der eigentliche Grund, an dieser Reise teilzunehmen. Oh Mann, und es gibt hier so riesige! Aus was für Monsterkühen haben die das wohl rausgeschnitten?!

  8. Dörte sagte am :

    Hach, good ol‘ Motel 6….da werden Erinnerungen wach-meine nicht eure. Habe die immernoch „Massagebetten“ für nen Quater?
    Ich hoffe, ihr gewöhnt euch nicht zusehr an die zu freundlichen Menschen-die Rückgewöhnung auf Berlinstandard könnte schwer fallen. 😉

  9. Nee, Massagedingens gabs da nicht. Und was die Feundlichkit angeht: Die führen wir einfach Berlin auch ein. Wundert mich sowieso, dass sich dieses Konzept nie richtig durchgesetzt hat. Ist eigentlich ganz nett …

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