Mister & Missis.Sippi

Auf den Spuren Mark Twains mit dem Floß durch die Südstaaten

Mississippi-Kitsch

Da war der Volker etwas voreilig, indem er behauptet hat, Tom und ich würden das Floß an Land begleiten. Pah. Da ist doch noch Platz auf der Bude, dachten wir uns, ließen die Autos Autos sein und kuschelten uns mit auf die abenteuerlich wenigen Quadratmeter. Ob sich nun 15 oder 17 Menschen ständig auf die Füße treten, ist doch wohl völlig egal…
John  Ruskey und Big Muddy Mike holten Tom und mich am Dienstag Abend von einem unfassbar schlammigen Ufer ab und brachten uns mit Kanus zu der Insel, auf der das Team schon das Nachtlager aufgeschlagen hatte. Es war Vollmond. Über dem Mississippi lag ein geheimnisvoller, weißer Nebel, als die Boote gleichmäßig durch das Wasser glitten. Ich wollte John  und Mike so viele Dinge fragen, aber es war viel schöner, dem beruhigenden  Platschen der Paddel und dem antiken Knarren der Holzsitze zuzuhören. Es ist nicht zu glauben, dass der Mississippi alle erdenklichen Klischees erfüllt, jedes einzelne. Genauso wie es bei Huck Finn und Tom Sawyer geschrieben stand.
Als wir ca. eine Stunde später an der Insel anlegten, gab es von Seth frisch gekochten Reis mit Bohnen und viel, viel Knoblauch. Die restlichen Team-Mitglieder verkrümelten sich allmählich in ihre Zelte, als wir uns mit Seth und Mike ans Feuer setzten und der unfassbar lauten Geräuschkulisse der Natur lauschten. Im Wald summte und brummte und zirpte und quakte es, der Fluss rauschte vor sich hin und das Feuer knisterte heimelig. Und dann hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben wilde Kojoten in der Ferne heulen. Ich war völlig aus dem Häuschen. Kojoten! Das war unglaublich.
Wir führten herrlich typische Lagerfeuergespräche und knabberten an unseren gerösteten Maiskolben. It´s Rivertime, sagte Mike und hätte die Situation nicht besser beschreiben können. Als ich irgendwann müde in mein Zelt fiel, bemerkte ich, dass dieses voller Sand ist. 10 Minuten lang versuchte ich daran etwas zu ändern, dann sagte ich mir, It´s Rivertime und schlief selig-sandig ein.
Am nächsten Morgen wurde ich durch Geschirrklimpern geweckt. John, unser Captain, bereitete gerade das Frühstück vor und kochte Kaffee über dem Feuer. Ich war total froh, durch seinen Krach geweckt geworden zu sein, denn die Sonne war noch nicht aufgegangen. Ich setzte mich also mit einer Tasse Kaffee alleine an den Strand und beobachtete den wunderschönen Sonnenaufgang über dem Mississippi. Als die Sonne es über den Horizont geschafft hatte, sprang ich in´s Wasser.  Schöner hätte ein Morgen nicht sein können, zumal ich wusste, dass wir ich heute das erste Mal auf dem Floß mitfahren werde.
Als wir dann endlich vom Ufer ablegten, war ich überrascht, wie viel Platz auf dem Floß tatsächlich ist. Da sechs Menschen immer am Ruder sitzen und jeweils zwei Leute in den Kanus verschwinden war auf dem Floß genug Platz, um es mir im Liegestuhl gemütlich zu machen. Und auch die befürchtete Hitze war halb so schlimm, denn das gute an einem Floß auf dem Mississippi ist, dass es ein Floß auf dem Mississippi ist. Wann immer man also das Bedürfnis nach Abkühlung hat, springt man halt in´s Wasser. So einfach ist das. Den Rest des Tages verbrachte ich also lesend, rudernd oder schwimmend und kann nur sagen, es war genauso traumhaft wie es sich anhört!   (Jadwiga)

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3 Gedanken zu „Mississippi-Kitsch

  1. Alle schimpfen über die Hitze, das Rudern, die Mücken, das Zelten. Und immer wieder schaut Jadwiga in ausgezehrte, verbrannte und schmerzverzerrte Gesichter, wirft beide Arme in die Luft und ruft: „Ist es nicht traumhaft hier?“

  2. Also, ich stelle mir das auch gerade ganz romantisch vor. 😉

  3. Drew Fowler sagte am :

    I was in „Fat Boys“ when your group was there. I would like to know the latest information about your trip. I’m from Tinley Park Ill. How is everything going?

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