Mister & Missis.Sippi

Auf den Spuren Mark Twains mit dem Floß durch die Südstaaten

Von Alton nach Cairo

Gestern sind wir nach den ersten Tagen auf Floß und Fluß nach Cairo zurückgekehrt. Unser Floß hat leider kein W-LAN, weshalb es einiges im Blog nachzutragen gibt …

Dienstag – Tag 1 auf dem Floß

Wenn Monstamovies in See sticht, dreht das Wetter durch. So ist es Tradition seit Nicht Der Süden und daran wird nicht gerüttelt. Am Montag sind wir endlich aufs Floß gegangen und losgefahren. Um schlechte Energien zu verscheuchen, wurde es in einer kleinen Zeremonie gedingst. Gesegnet wäre das falsche Wort, aber irgendwas in der Art war es schon; komplett mit einem Gebet der Dakota und Salbeirauch und allem drum und dran.
Das Unwetter, dass uns eine Stunde nach dem Ablegen erwischte, ließ sich davon allerdings nicht abschrecken. Vielleicht gehörte es auch noch dazu – eine Taufe von ganz oben. Die ersten Regentropfen waren noch ganz angenehm, nach stundenlangen Dreharbeiten in der Sonne. Aber dann brachen die Wolken und eine Wand aus kaltem Wasser raste auf uns zu (und das ist keine sprachliche Wendung, um die Dinge ein bisschen zu dramatisieren, sondern die sachliche Wiedergabe von Fakten). Bald war der einzige Unterschied zwischen im Floß und im Fluß, dass das Wasser oben nicht so braun war.
Wir befanden uns kurz vor der Chain of Rocks, ein paar Meilen flußaufwärts von St.Louis. Die Felsen sind eine der gefährlichsten Stellen auf dem Mississippi (für Warmduscher und Schubverbände wurde ein Kanal gebaut, der an ihnen vorbeigeht, aber wir wollten mitten durch). Es gibt dort tückische Stromschnellen und so Zeugs, die im aufgewühlten Wasser nicht richtig zu erkennen gewesen wären, zudem machte der Sturm das Manövrieren schwer. Wir ruderten ein Stück flußaufwärts und suchten Schutz unter einer Brücke. Eine Stunde mussten wir warten, zitternd vor Kälte, im hüfttiefen Wasser an den Brückenpfeiler gedrückt, wo es ein bisschen Schutz vor Wind und Regen gab.
Eine weitere Stunde später, konnten wir uns nicht mehr erinnern wie es ist, vor Kälte zu schlottern, aber die Vorstellung erschien uns paradiesisch … Die Sonne knallte, das Sonnendach hatten wir noch nicht aufgebaut und wir mussten rudern. Nüscht von wegen „Let the river do the work“ – wir mussten die durch das Unwetter verlorene Zeit aufholen! Zum Glück konnte ich ab und zu sagen: „Ich muss jetzt mal was schreiben!“ oder „Wir müssen jetzt eine Szene drehen, wo Patricia und ich ins Wasser hüpfen und dann eine halbe Stunde rumplanschen!“

Unser ersters Camp schlugen wir kurz vor Saint Louis auf einer Insel auf. Vollmond, die Skyline der City im Hintergrund, für jeden ein großer Schluck von Big Muddy Mikes Corn Whiskey (der legale; Mike legt Wert auf diese Tatsache), ein Lagerfeuer und jede Menge Mosquitos – das war schon irgendwie romantisch …

Mittwoch

Wir lassen uns nach St.Louis treiben, einer Stadt, von der niemand viel weiß und niemand etwas erwartet. Dabei ist sie sehr schön und verfügt über eine interessante Geschichte sowie über Toiletten, von denen wir noch einmal Gebrauch machen, bevor es in die Wildnis geht, wo man immer damit rechnen muss, sich in ein Büschlein Giftefeu (Poison Ivy) zu hocken.

Eigentlich ist nur ein kurzer Stop geplant, aber unsere Ankunft löst einen mittelgroßen Polizeieinsatz aus. Bizarres Bild: An irgendeiner Industrieanlage in den Außenbezirken steht ein wild gestikulierendes Häuflein Polizisten herum und brüllt, dass wir an Land kommen sollen. Hey, genau das haben wir vor, aber bitte irgendwo, wo wir nicht eine vier Meter hohe Mauer hochklettern müssen (falls uns nicht schon zuvor ein Abwasserfall aus einem dicken Rohr in ebenjener Mauer versenkt hat).

Wir halten kurz hinter der Eads Brigde, der ältesten Brücke über den Mississippi. Polizei und Coast Guard sind schnell besänftigt, als sie sehen, dass John der Kapitän des Floßes ist, aber das anschließende Fachgesimpel am Ufer dauert zwei weitere Stunden.

Donnerstag

Das ist eine wirklich, wirklich schöne Sache, diese Reise. Geradezu awesome. Heute haben wir uns den ganzen Tag treiben lassen, nur hin und wieder den Kurs korrigiert. Zwischendurch war viel Zeit zum Filmen und Schwimmen, wobei vor allem letzteres ganz besonders viel Spaß gemacht hat. Das Wasser ist unglaublich schlammig, man kann vielleicht drei Zentimeter weit gucken, aber: Es ist der Mississippi! (Wärs die Spree würde ich nicht reinspringen.)

Alles schön also soweit – bis auf das Zelten. Also nee, das ist irgendwie nicht so meins. Wars noch nie. Wirds nie werden. Das schlimmste ist die Unordnung. Und das Zeltaufbauen. Und das Zeltabbauen ist sogar noch schlimmer. Und natürlich der Sand. Ganz schlimm. Und die Nässe erst. Und die Enge und die schlechte Luft und der doofe Reißverschluss, der schon nach zwei Nächten nicht mehr richtig zugehen will. Aber das allerallerallerschlimmste sind die selbstaufblasbaren Luftmatratzen. Die hat wahrscheinlich der selbe Misanthrop erfunden, auf dessen Kosten auch diese doofen Kaffeedöschen gehen.
Gut – sie funktionieren insofern, dass sie ein bisschen Luft einsaugen, wenn man das Ventil öffnet. Aber dann muss man doch mit eigenem Atem ran, wenn man eine Unterlage haben will, die wenigstens etwas komfortabler ist als ein Handtuch. Richtig bequem wird es aber nie. Und wehe dem, der am nächsten Morgen die Matratze wieder zusammenrollen und zu diesem Zweck die Luft wieder rauslassen will. Kaum lässt man mit Rollen und Drücken und Quetschen ein wenig nach, atmet sie plötzlich ganz tief ein, als bereite sie sich auf einen Weltrekordversuch im Apnoetauchen vor.

Egal. Heute war wie gesagt Treibenlassen angesagt, aber etwas anderes wäre auch nicht möglich gewesen. Wir dachten, wir seien die Hitze inzwischen gewöhnt, aber 10 Stunden auf dem Wasser sind was anderes als ein Tag in der Stadt mit lauter auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlten Cafés und Supermärkten. Das Sonnendach hat nicht viel geholfen. Man war darunter zwar vor der Sonne geschützt, starb aber praktisch sofort an Hitzschlag. (Gut, ich gebs zu: Hier übertreibe ich ein wenig. Hab halt einen Knall weg, von der Hitze!)

Der beste Tag ist zwischen den beiden Pontonkanus unter dem Deck, im feuchten Keller unseres noch namenlosen Floßes („The raft will reveal its name, be patient“.)

(VS)

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2 Gedanken zu „Von Alton nach Cairo

  1. Selbstaufblasbare Luftmatratzen, was die Hochtechnologie der Zivilisation so hervorbringt, ich hab bloß eine Isomatte. Die kann man zwar nicht aufblasen, aber dafür prima zusammenrollen.

    Und wie funktioniert das mit dem Sonnendach? Ist das so ein zusammen-steck-pavillon-System?

  2. Astrocaveman sagte am :

    Ist das Absicht, dass nach den zwei stars ’n stripes flaggen bildern eure schwarz, rot, „goldene“ wäsche an der leine hängt?

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