Mister & Missis.Sippi

Auf den Spuren Mark Twains mit dem Floß durch die Südstaaten

May the River be with you

Mit einer Woche Verspätung kommt jetzt endlich wieder ein update vom Floß, also ein Blog-Log-Buch. Aber vor lauter lauter kommen wir ja zu nix. Weder auf der Galeere, noch bei den Landgängen…

lauter lauter heißt: wenn wir auf dem Fluss sind, stehen wir zwischen 5 und 7 auf, geweckt von Johns Cojote-”wu-hooooo!!!”, und rudern dann ungelogen den ganzen Tag, um auf unsere täglichen Meilen zu kommen. 50 ist unser Rekord, das heißt aber auch: 12 Stunden auf dem Wasser. Mit ein paar Dreh-Stops und Schwimm-Pausen sind das netto 9 Stunden Muskeltraining.

You gotta work it to go with the flow….denn auf dem Fluss in den Fluss zu kommen ist das Ziel. Dazu brauchen wir die Hilfe der Strömung, aber die macht halt auch immer nur, was sie will! Wenn der flow gerade am anderen Ufer unterwegs ist, müssen wir oft eine halbe Meile queren. Und noch dazu hat der Mississippi ja viel mehr Schleifen, Windungen und U-Turns als er i-s, p-s und ss-e hat. Heißt: wenn wir mal Rückenwind haben, kann sich das ganz schnell ändern, und der Wind bläst uns entgegen. Oder er pustet uns gleich ganz weg, wie in dem Gewittersturm, der uns auf dem Weg von Cairo nach Memphis erwischt hat (wie man auf den Fotos von “The River Gives, the River Takes” sehen kann). Ist schon klar, warum Johns wichtigster Gruß heißt: “May the river be with you!”

Allerdings sind wir gerade nicht mit dem River.

Letzten Samstag sind wir in Memphis angekommen und haben uns gleich das Gegenprogramm gegeben: ab in eine dunkle Kaschemme zu einer Moulin-Rouge-artigen Burlesque-Show, bis tief in die Nacht. Die Mädels auf der Bühne haben Namen wie “Patti Pistol”, “Sugar La Rue” oder “Sadie J-Bird” uns sehen auch entsprechend aus: Netzstrümpfe, Korsett, Tattoos und shake-it-shake-it beim Strip.

Wenn sie nicht die Sex-Pistols machen, haben die Girls ganz normale Jobs in der Apotheke oder bei Starbucks, eine will sogar Religionslehrerin werden…aber wenn das Geld knapp wird, gehen sie auch mal auf die Straße – für einen guten Zweck: alle Einnahmen aus dem “Sexy Car Wash” fließen direkt in die Kostüm-Kasse der Belles.

Ich fand die Show echt super, sehr postfeministisch-selbstbewußt, hab aber einen Moment gebraucht um zu kapieren, dass die Stelle im Drehbuch wo es hieß “Patricia besucht die Memphis Belles und wird im 50er-Jahre-Stil gestylt” auch SO enden könnte…anyway, als ich dann wirklich bei den Mädels aufgeschlagen bin, war das der bisher lustigste Dreh. 2 Stunden Girls-Talk, Gelächter und am Schluss die Vorher-Nachher-Überraschung. Ciao Beach-Look, hallo Glamour! Marcus sagt, ich komme seitdem aus dem Posen gar nicht mehr raus. Und einen Burlesque-Namen hab ich jetzt auch: zur Auswahl standen “Aida Buffet” (weil ich so gerne esse) und “Lissa Lovelace”, aber am Ende haben wir uns für “Sally Sirene” entschieden. “Die vom Wasser kommt”, quasi.

Da habe ich aber noch nicht ahnen können, dass uns das Wasser am nächsten Tag den ganzen Drehplan davonschwemmen würde…gerade als wir unsere Stadtrundfahrt in einem 55er-Cadillac zu Ende gedreht hatten und die gleiche Tour nochmal machen wollten für die Außenaufnahmen, hat es sowas von angefangen zu schütten, dass alles zu spät war. Vor allem unser Außen-Dreh. Werden natürlich ÜBERHAUPT NICHT zusammenpassen, die Bilder vom Sonnenschein und vom Platzregen. Aber das ist halt Memphis Weather, und wir haben mit der kleinen wasserdichten Kamera weitergefilmt: ein Wasserfall sprudelt über die Treppe vor Elvis’ Schule, der Rinnstein ein einziger Mississippi, und der Cadillac macht ne sensationelle Bugwelle.

Nur: wenn man derart durchnässt dann in die verfi….ten airconditionten Cafés, Museen oder Hotels reinkommt, gefrieren einem die Regentropfen auf der Haut. Keine Ahnung, wie die das aushalten, die Amis. Die sitzen völlig entspannt in ihren hotpants am Tisch und verspeisen ihren Triple-Cheeseburger mit Southern Fries und extra Onion Rings. Wieso kriegen die nur fette Bäuche und keine kalten Füße?

Vorgestern sind wir nach Vicksburg weitergefahren, 4 Stunden weiter südlich. Wo wir mit Phil Tremaine, dem verrückten Waffenhändler verabredet waren. Der dann alle Waffennarren-Klischees eingelöst hat, die man als good old German so hat, und noch viel mehr. Also nicht nur “guns don´t kill people, people kill people” und “I could kill you right here – God gave you the right to defend yourself!”, sondern auch “what was the first thing Hitler did to the Germans, in 1943? He disarmed them!”. Unsere Einwände, dass Hitler schon viel früher mit ganz anderem Schwachsinn angefangen habe und die Deutschen nicht ihrer Waffen, sondern eher ihrer Denkfähigkeit beraubt hat, konnten Phil nicht beirren. Und er hat uns in seiner Begeisterung noch seine 2 Pudel gezeigt, die hübsch frisiert mit ihren pink lackierten Krallen-Nägeln (!) unter der Theke sitzen (”they go to the beauty parlor every week”). Für die Bilder müsst Ihr aber auf den Film warten!

Abends nach dem Essen gab es dann ein Feierabend-Bierchen auf der Uferpromenade vor unserem Hotel, in der lauen Abendluft. Da hatten wir dann dieses landestypische Erlebnis mit der örtlichen Sitten-Security, das Monstachief Lutz schon beschrieben hat. “I can´t have you standing around with open containers of alcohol!”. Aber den Karton mit den ungeöffneten Bierdosen mochte er auch nicht. Sein “I can´t let you get intoxicated here!” habe ich noch versucht mit dem Hinweis zu entkräften, für eine Maßbier-geeichte Bayerin sei so eine Dose Bud light so gefährlich wie ein Glas Zahnputzwasser – aber es half nichts: wir wurden quasi abgeführt ins Hotel und sind dann halt früher schlafen gegangen. Was uns auch mal ganz gut tat.

May the booze be with you!

(Patricia)

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2 Gedanken zu „May the River be with you

  1. Hehe, auf die Umstylingaktion bin ich ja mal gespannt. 😀

    Frisierte und lackierte Pudel sind sehr strange. Warum macht man sowas?

  2. PLANTEGILLES sagte am :

    BONJOUR PATRICIA
    JE SUIS LE FILS DE GUSTAVE ET LUCETTE LES COUSINS DE BERNADETTE.DU MANS. TON PERE ET BERNADETTE DE PASSAGE AU MANS . TON PERE NOUS A FAIT VOIR LE SITE DE TON VOYAGE. JE T ‚ENVIE CAR JE SUIS TRES ADMIRATIF DES JOURNALISTES REPORTER. J’AI MOI MEME UN AMI DE L ‚AGENCE PHOTO GAMMAPRESS. IL PARCOUR LE MONDE. JE TE REMERCIE POUR TOUTES CES PHOTOS . AMICALEMENT.

    GILLES.

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