Mister & Missis.Sippi

Auf den Spuren Mark Twains mit dem Floß durch die Südstaaten

Archiv für die Kategorie “Tagebuch”

Die heiligen Sendebänder sind ausgespielt…

…damit ihr zu Ostern keinE OhrHasen schauen müsst.

Sendebänder

 

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Mississippi Surfin‘

Jetzt sind wir im Süden, aber richtig. In St.Francisville, kurz vor Baton Rouge und anderthalb Stunden nördlich von New Orleans. Ich sitze auf der Veranda unseres Bed&Breakfast, des ältesten Hauses am Ort (late 1700s), und es hat dankenswerterweise eine Hollywoodschaukel, die aber wohl erst später dazukam. Es fühlt sich an wie in der Biosauna, hinter mir schuftet eine Klimaanlage vor sich hin, neben mir die Zikaden, und die einzige Abkühlung ist der „Wind“, den ich beim Schaukeln mache. Ob bei dieser Hitze irgendwelche Inspiration über mich kommt? Volker meint, Transpiration statt Inspiration sei angesagt.

Ich versuchs mal mit beidem. Weiterlesen…

Cairo

Eine Inventur vorgestern morgen ergab 67 Mückenstiche, nicht mitgezählt das gute Dutzend auf dem Rücken, weil sich die schlecht zählen ließen. Jeder einzelne hat gejuckt wie die Hölle (wobei ich nicht wieß, ob die Hölle juckt; das muss ich nachher mal in dem Baptistenblättchen nachschlagen, das ich mir in einem Diner eingesteckt habe). Die ersten Tage hatte ich Ruhe vor den Viechern und konnte den anderen mit einer Mischung aus Mitleid und Erleichterung beim Kratzen zugucken, aber jetzt sind sie so richtig auf den Geschmack gekommen.

Wir haben heute Cairo Illinois verlassen, ein Städtchen, das uns nicht nur vom Namen an Pyramiden auf Spitzbergen erinnert. Viele Häuser, ganze Straßenzüge sind verlassen und verfallen langsam. Als Besucher findet man das charmant und schön und romantisch, aber für die Menschen, die noch hier leben, ist es bitter, dem Niedergang ihres Örtchens zuschauen zu müssen.

Inzwischen sind wir in Saint Louis, bzw. in Alton, zwanzig Meilen von Saint Louis. Die Einzelteile des Floßes sind von Clarksdale hierher transportiert worden und werden jetzt zusammengebaut. Morgen kommt der Rest der Crew und es geht endlich richtig los.

(VS)

Vicksburg erledigt

Ok, Monsta Movies sind ja für drastisch reale, konsequente und unglaublich spannende Geschichten bekannt. Wir möchten aber trotzdem darauf hinweisen, dass wir mit dem Ableben von Michael Jackson nun wirklich nichts zu tun haben.

Unsere Zeit in Vicksburg ist vorbei und wir sind berühmt. Zumindest in Vicksburg. Irgendwie haben die das falsch verstanden. Wir sind doch eigentlich diejenigen, die Interviews machen wollten mit den Menschen hier um ihre Geschichten zu hören. Stattdessen haben sich die Lokaljournalisten hier abgesprochen, uns mit unfassbar leckeren Shakes in ein kühles Kaffee gelockt und uns Löcher in den Bauch gefragt.

Zum Glück waren es Journalisten. Denn danach haben wir einen Mann getroffen, dessen Löcher im Bauch deutlich mehr weh getan hätten. Bei Phil kann man einfach in den Laden kommen und eine Waffe kaufen. Er selbst trägt seine Colt Governement seit 38 Jahren jeden Tag am Hosengürtel, seitdem er im Vietnamkrieg nach eigenen Angaben fünf mal mehr Menschen erschossen hat, als in seinen Laden passen. Und Phil ist stolz wie Hugo. Immerhin bekämpft er die Kriminalität. Auf einem seiner Werbeaufkleber ist zu lesen: „Fight Crime. Shoot back.“ Nicht zu fassen.

Abends waren wir bei Greg zum Barbecue eingeladen. Er hat mir gestanden, auch eine Waffe in seiner Hosentasche zu haben. Ich habe nicht nachgeschaut, aber das wurde angesichts seiner unglaublichen Kochkünste und tollen Freunde auch zweitrangig. Endlich mal kein Fast Food, so lecker!! Wer dann die Schnapsidee hatte, auf der Ladefläche von Gregs Pick-Up durch den dichten Mangroven-Wald zu einem Fluss zu fahren, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat dieser Jemand nicht bedacht, dass Waldboden klassischerweise übersäht ist von unglaublich tiefen Schlaglöchern, dessen Erschütterungen die Ladefläche eines Pick-Ups nur mäßig abfedert. Ebenfalls nicht bedacht waren die Äste, die in einem Wald erfahrungsgemäß einfach so im Weg rum hängen und nicht davor zurück schrecken, deutschen Dokumentarfilmern gnadenlos in´s Gesicht zu fatschen. Dieser Jemand muss aber gewusst haben, dass es sich unfassbar schön anfühlt, mitten in der Nacht an einem weißen Sandstrand zu landen und sich darüber wundern, wie still es an manchen Orten Amerikas manchmal sein kann.


(jadwi)

party all night long

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Ich freue mich! Ich freue mich wirklich, dass die Mücken heute Nacht in meinem Zimmer ihr großes Schlachtefest feiern konnten. Ist doch schön. Ich bin ein tierlieber Mensch und wenn ich schon in die heißen Südstaaten der USA fahre, dann stelle ich gewisse Teile meines Körper auch gerne als Zapfhahn zur Verfügung. Leben und leben lassen.
Aber ich verstehe nicht, was nun ausgerechnet das Blut in meinem Augenlid zum Renner der Mückenparty prädestiniert hat. Das muss der Most-Wanted-Shake des Abends gewesen sein, denn dort haben sie gleich mehrere Male zugestochen. Wahrscheinlich haben sie dann alle auf meinem Oberschenkel gesessen und sich ausgetauscht.
– Na, hast du schon das Augenlied probiert?
– Nein, du?
– Oh ja, und es ist hervorragend! Ganz anders als der Bauch und die Ferse zum Beispiel! Das solltest du unbedingt probieren!
– Mensch Mücke, vielen Dank! Ich war zwar gerade erst am Ohrläppchen, am Hintern und in der Kniekehle, aber das Lid werde ich mir natürlich entgehen lassen.
– Ja mach das! Ich schicke dann unsere fünf jungen Säufer auch noch dorthin, die sind aber gerade noch in der Achselhöhle beschäftigt!
– Geht klar! Vielleicht mache ich auf dem Weg dorthin noch einen kleinen Abstecher zur Kopfhaut, das ist ja auch immer wieder ganz was Feines! Obwohl, da war es vorhin so voll. Man wusste nicht, wo man noch hinstechen sollte. Naja, mal sehen.
Tja, nun musste ich heute den ganzen Tag mit einem Fatsch-Auge herum laufen. Und wer den Schaden hat, der braucht für Spott nicht zu sorgen. Der Running-Gang heute war: Jadwiga drückt doch heute mal ein Auge zu!
Ich lach mich tot und freue mich für die Mücken.

(Jadwi)

New Orleans Bounce

New Orleans, 38°C im Schatten, wir bewegen uns im Schneckentempo durch die Stadt, da wir sonst auf der Stelle zerfliessen würden. Zum Glück hat unser Auto die neuste Klimaanlage. Ständig habe ich das Gefühl, aus der Sauna in einen Kühlschrank zu steigen. Vielleicht härtet das ja ab…

16 Uhr, wir sind mit Katey Red verabredet, einem/r Künsler/in. Ich sage jetzt mal Sie… Sie fährt mit uns an ihren Lieblingsort… hm, eine Art Diner ohne Burger, dafür aber jede Menge Alkohol-Eis-Shakes.  Schräger Laden. Passt zu Ihr. Das Gespräch gestaltet sich etwas schwierig, da Sie einen sehr ausgeprägten New Orleans Slang spricht und etwas wortkarg ist. Was man sonst eigentlich nicht von ihr gewohnt ist. Dazu dann mehr im Film.

Hat sich eigentlich schon jemand über das Essen beschwert? In ländlichen Gegenden ist es wirklich schwer den Leuten zu erklären, dass man etwas vegetarisches zu essen haben möchte. Meisst beschränkt sich die Auswahl auf veggi burger, french friese, frittierte shrimps, frittiertes Gemüse und po´boys. Dies ist eine Art Weissbrot, welches bei dem Versuch ein Baguette zu backen, entstanden sein soll.

MOORE BOUNCE FROM NEW ORLEANS
nobby, SESS 4-5, industry influence, Blaq N Mild, game ova music

(sbiene)


„Nichts bedarf dringender der Verbesserung als die Angewohnheiten anderer Leute.“ (Mark Twain)


Jaaa, wir arbeiten schon…

Auf unsere Frage an Sam (vom Public Housing Project in N.O.) ob es erlaubt sei auf dem PickUp hinten mitzufahren und zu drehen – hat er nur komisch geguckt und gemeint , das sei hier Louisiana und damit alles erlaubt. Und tatsächlich interessiert es kein Schwein, ob du bei einer Vollbremsung die Schwalbe hinlegst. Aber schöne Bilder sind es geworden.

P2-Sichtung

P2-Sichtung

(Lutze)

We`ll be right back

Zwei tolle, vollgepackte Tage in New Orleans liegen hinter uns, heute geht es weiter nach Saint Francisville. Hier noch ein paar Schnappschüsse aus der Do-what-you-want-city. In 6 Wochen sind wir wieder hier.

Etwas, das ich bei unserer Rückkehr, nach dem letzten Dreh ausprobieren muss, sind die Daiquiris – riesige Styroporbecher voller Eis, Chemie mit Frucht- oder Schlumpfgeschmack und Alkohol, die hier gerne als Erfrischunggetränk am Nachmittag getrunken werden. Ich habe ganz züchtig einen nichtalkoholischen Banana-Strawberry genommen – bei 37 Grad im Schatten und der Temperatur der Sonnenoberfläche außerhalb des Schattens, wäre das sonst tödlich geworden. Aber nach Drehschluss macht das ja nichts mehr.

(VS)

Von Houston nach New Orleans

9. 00 Uhr morgens, 16.00 Uhr in Deutschland. Gerade sind wir auf der Interstate 10 East über die Grenze zwischen Textas und Louisiana gefahren. Draußen sind schon 30 Grad, im Autoradio läuft Country und zum Frühstück gab es Kalorien für eine Woche im Waffle House – wir sind in Amerika! Und Amerika verwirrt mich offenbar: Heute morgen habe ich mich statt mit Sonnencreme mit Matthiasens Duschbad eingeschmiert und geflucht, weil der Mist nicht einziehen wollte.

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(Sabine, Matthias, ein Mann, den wir nicht kennen, und Lutz)

Der Weg hierher war lang und schmerzhaft: Ich hab mir in Frankfurt prophylaktisch den Fuß verknackst, damit ich das hinter mir habe und nicht wieder wie bei „Nicht der Süden“ bei den Dreharbeiten vor der Kamera rumhumpeln oder auf Krücken hüpfen muss. Es wäre wahrscheinlich auch schwer, am Mississippi eine Leninstatue für eine Wunderheilung zu finden. Aber jetzt ist alles wieder gut, die erste Nacht in einem amerikanischen Hotelbett mit der Holy Bible auf dem Nachttisch hat auch geholfen.

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Die berüchtigten Einreiseprozeduren waren halb so schlimm und haben lumpige 2 Stunden gedauert. Wir musste nirgends ankreuzen, ob wir Harpunen dabei haben, wie man ab und zu hört. Ob man Früchte mitbringt musste man aber ankreuzen und weil die Stewardess uns sagte, wir sollten am besten überall „Nein“ ankreuzen, habe wir das gemacht. Auch Jadwiga, die einen Apfel im Rucksack hatte. Aber die Amis sind auf Zack – ein kleiner Hund mit einem Pulli mit der Aufschrift „Protecting Americas Agriculture“ fand die Übeltäterin; sie musste den Apfel unter Aufsicht eines Officers wegwerfen.
Kaum drei weitere Stunden später hatten wir dann auch die vorbestellten Mietwagen und es ging los, raus aus dem riesigen Parkdeck, hinaus auf den Highway und Mann! – Das ist schon was! Nicht „schön“ im klassischen Sinne aber … fett. Ja, fett, hier passt das Wort. Die Straße selbst, die Trucks, die SUVs, die Pickups, die Harleys, die Männer auf den Harleys – fett. Vorbei an endlosen Vorstädten, eingezäunten Retortensiedlung, riesigen amerikanischen Fahnen, noch riesigeren Einkaufszentren, an unzähligen Fast Food Restaurants und genauso vielen Kirchen jeder Form, Farbe ud Größe (aber alle baptistisch).

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Während einer Pause, ein paar Meilen vor unserem Motel, lernen wir Mark kennen, einen freundlichen Seemann aus Houston, auf dem Weg nachhause von einer mehrwöchigen Tour. Er kommt einfach auf uns zu und fragt uns wo wir herkommen und was wir vor haben und sagt „Oh my god, you are crazy!“, genau wie alle, denen wir das bisher hier erzählt haben. Ersd gibt uns ein paar hilfreiche Reisetips, fragt uns, was wir von Obama halten und wir so: „Öhm, yes … he´s okay … ähm, we think better then Bush …“ Wir sind etwas vorischtig, wir sind hier im Bush-Land, der Flughafen, auf dem wir gelandet sind, ist nach Dabbeljus Papa benannt … „Bush is an idiot!“, wird Marc etwas deutlicher. Aber Obama ginge auch nicht, der sei doch ein Weichei und bei der Scheiße, die die da in Nordkorea bauten, bräuchte man jemanden, der da hinginge und BUMM! – Marc versetzt der heißen Nachtluft einen Tiefschlag. Wir versuchen Obama zu verteidigen, indem wir auf die Sache mit der Fliege hinweisen (bin gerade zu faul, einen Link rauszusuchen), aber Marc lacht nur und winkt ab.
Man kommt hier leichter mit den Leuten ins Gespräch als auf einer WG-Party in Deutschland beim Abhängen am Nudelsalatbuffet. Diesbezüglich stellen sich mir zwei Fragen: Wäre das auch so, wenn wir Spanier oder Türken wären und keine kalkweißen Deutschen? Und werden wir es 7 Wochen mit so freundlichen, kommunikativen Menschen aushalten?

(VS)

PS: Habe mir geschworen, dass das erste was ich mir hier kaufen werde ein Hut sein wird. Ist erledigt. Als nächstes stehen Beef Jerkeys auf der Einkaufsliste.

Floßbau

Während wir in Deutschland noch damit beschäftigt sind, überlebenswichtige Utensilien wie „Jungle Deo“ oder Outdoor-Socken zusammen zu packen und an unserem Trinkspruch für diese Reise feilen (derzeitiger Favorit: „Flößchen!“), wird in Amerika schon fleißig an unserem neuen Zuhause gebastelt.

strips 040 Weiterlesen…

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