Mister & Missis.Sippi

Auf den Spuren Mark Twains mit dem Floß durch die Südstaaten

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Mount Mississippi

Wenn wir auf dem Floß sind, rudern wir. Wir rudern. Wir rudern richtig. Nicht nur für die Kamera. Alle rudern; wir wechseln uns ab. Seit Jadwiga und Tom nicht mehr auf dem Fluss sind, sondern mit dem Auto vorfahren, seit Seth krank geworden ist und Big Muddy Mike uns für einige Tage wegen eines Termins verlassen musste, sind die Ruderpausenzeiten für jeden arg zusammengeschrumpft. Ab und zu können wir uns für ein oder zwei Stunden einfach treiben lassen, aber in der Zeit drehen wir oft.

Das ist nicht ganz, was wir uns vorgestellt haben, das ist auch nicht ganz der Huckleberry-Finn-Stil, aber Huck und Jim hatten auch keine Verabredungen, keinen Produktionsplan und keinen Rückflug nach Deutschland.

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(Das Kamerateam fährt im Kanu voraus)

Ich habe nicht erwartet, Weiterlesen…

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Mississippi-Kitsch

Da war der Volker etwas voreilig, indem er behauptet hat, Tom und ich würden das Floß an Land begleiten. Pah. Da ist doch noch Platz auf der Bude, dachten wir uns, ließen die Autos Autos sein und kuschelten uns mit auf die abenteuerlich wenigen Quadratmeter. Ob sich nun 15 oder 17 Menschen ständig auf die Füße treten, ist doch wohl völlig egal… Weiterlesen…

Back to Civilization

Wir waren DIE Attraktion auf dem Mississippi – und fast wäre unsere Reise schon nach ein paar Meilen wieder zu Ende gewesen. Gleich in St.Louis hat uns die Küstenwache an Land gewunken, weil jemand gemeldet hatte, da sei eine losgerissene Plattform mit 15 Leuten drauf in Seenot. Wir also umringt von wichtigen Blaulicht-Männern, die dann aber völlig friedlich waren und fasziniert von unserem sensationellen Floß. Und wir gar nicht in See-, sondern eher in Zeitnot, weil die cops uns geschlagene 2 Stunden aufgehalten haben.

Dann durften wir wieder in See stechen – mit der Auflage, dass wir immer wieder unsere Position durchfunken mussten. Daraus hat John, unser Kapitän, sich einen echten Spaß gemacht: sein Funkspruch „We´re trying to keep the top side up here!“ war mein Lieblingssatz des Tages. Umgekehrt konnten wir natürlich auch mithören, was über uns so rumgefunkt wurde: „There´s a platform with 2 canoes towed to it going down the river with some 8 men and 1 blonde woman on board…“ – wie gesagt, sonst ist wenig los in der Gegend…

Dafür kriegt einen der Fluss, wirklich. Nach 3 Tagen fühle ich mich schon wie eine River-Mermaid und fremdele ziemlich hier an Land. So schnell wachsen einem also Flossen…und Muckis, ich sag´s Euch! Stundenlang rudern, immer 6 Leute an den Paddeln, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Das hatte uns vorher wohlweislich keiner gesagt…oder wärst Du sonst mitgekommen, Volker?

Der Mississippi ist übrigens schön klar inzwischen – der ganze Schlamm hängt nämlich in meinen Haaren! Aber das ist gesund, sagt John – er selbst habe sich seit 5 Jahren (!) die Haare nicht mehr gewaschen. Hm. So weit bin ich noch nicht. Aber ich freu mich schon, wenn wir am Dienstag wieder aufs Floß gehen. Aber auch, dass wir bei dem Regen heute nicht im Zelt schlafen…

Gute Nacht aus Cairo, dem verlassensten Nest zwischen Pazifik und Indischem Ozean (selbst der Waschsalon hat vor einer Weile zugemacht, der nächste ist 15 Meilen weit weg!)

(Patricia)

Schnipsel vom 29.6.2009

I’ve been dreaming of a time when …
To be standing by the flag not feeling shameful

Heute morgen haben wir im Arcade, dem ältesten Restaurant von Memphis gefrühstückt (gegründet 1919). Es ist ein sehr schöner Ort an einer Kreuzung, die wie die Kulisse für einen 50er-Jahre-Film aussieht. Die Sandwiches hier sind wirklich gut, ach was, sie sind geradezu umwerfend gut, vor allem, wenn man häufiger gezwungen ist, sich an der Interstate irgendeinen Fraß zu kaufen. Leider dauert die Zubereitung deutlich länger als bei Burger King oder Poboys Diner („Eat Dessert first!“). Ich habe versucht, das ganze ein bisschen zu beschleunigen, in dem ich mich daran erinnerte, das man Busse durch das Anzünden einer Zigarette heranzaubern kann. Ich ging also vor die Tür, steckte mir eine Kippe an – und es kam ein Bus. Das war nicht ganz was ich beabsichtigt hatte, aber naja. Der Busfahrer trug eine Uniform, ein blaues Hemd, ein bisschen dunkler als die BVG-Hemden, aber der Stil war derselbe. Nur dass am linken Oberarm eine US-Flagge prangte. Man stelle sich einen Berliner Busfahrer mit Deutschlandfahne auf dem Hemd vor (oder lasse es lieber!). Das geht irgendwie gar nicht. Nüscht gegen die Deutschlandfahne. Sie ist nicht so hübsch wie die amerikanische (tatsächlich war die DDR-Fahne schöner), aber sie steht immerhin für die akzeptableren Teile der deutschen Geschichte und trotz des Morrissey-Zitates oben versinke ich nicht vor Scham im Boden, wenn ich bei einer Deutschlandfahne stehe, was ich freilich auch nur selten tue. Weiterlesen…

Mal kurz was zu Autos

Amerikaner sind ein eigentümliches Völkchen. Auch was Autos betrifft. Irgendwie sind es immer die gleichen Karren die hier rumfahren. Same, same but different. Heißt: wirklich die gleichen Schleudern – nur das sie jedesmal anders heißen. Wir fahren zum Beispiel einen Dodge Caravan, der eine gepimpte und coolere Version des Familienbombers Chrysler Voyager Town & Country ist, den wir auch noch gemietet haben. Der Dodge hat Discoalarmlampen an der Decke und die Seitentüren zischen wie auf der Enterprise auf (auch fernbedient) wogegen der Chrysler statt Disco an der Decke, Regenwald am Armaturenbrett hat. Das gleiche Teil gibt es noch von Ford, von Saturn und in Abwandlung von Lincoln. Opel gurkt hier auch rum und wird als Einsteigermodell gepriesen, heißt Saturn, ist schicker und billiger. In Deutschland ist Opel ja mehr ein Aussteigermodell.

whitecar

(Lutze)

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